
Bei der Untersuchung des „Abenteuerfalls“ Schachspiel stellt sich die Frage: „Warum spielen die Menschen Tennis-Doppel, aber nicht Schach-Doppel?“ Beides sind ja „Ping-Pong“ Spiele. Im Grunde passiert im Spiel nichts gleichzeitig. Erst, wenn einer den Zug ausgeführt hat, kann der andere darauf reagieren. Beim Tennis stimmt dies nicht ganz, die Handlung ist etwas versetzt, so dass man den vorhergehenden Bewegungsablauf des Gegners sieht und bei genügend Erfahrung schon vor dem eigentlichen Schlag zumindest annähernd darauf vorbereitend reagieren kann. Beim Schachspiel können nur die vorhergehenden Züge eine logische Vorahnung zu Absichten der Gegenspieler geben. Erst der letzte Schachzug gibt eine Antwort auf die davor angestellten Berechnungen. Eine schlüssige Aufklärung, eine Bestätigung der gemachten Betrachtungen gibt es nicht immer. Überraschungen sind da nicht ausgeschlossen!

Das op-tc-Schach hat nichts mit dem bekannten Tandemschach, oder bughouse-chess, zu tun. Es wird zwar auf zwei Brettern, aber eine Partie gespielt.
Die Variante VI ist außergewöhnlich. In diesem Fall geht es um Sportarten, die im Grunde genommen keine Mannschaftsspiele darstellen. Sie ist ein aus einem Spiel mit einem gegen einen Spieler abgewandelter Mannschaftskampf, z. B. für zwei nacheinander spielende Akteure an einer Seite und zwei nacheinander spielende Akteure auf der anderen Seite (anwendbar beim Snooker, Billard oder beim Schachspiel).
Die Rollen der Spieler einer Mannschaft sind gleich – sie müssen die momentan auf dem Spieltisch oder Spielfeld entstandene Situation gewinnbringend lösen. In diesem Fall ist die Logik des jeweiligen Partners zu verstehen, um eine gemeinsame Strategie im Spiel zu entwickeln.
Stellen sie sich vor, dass ein Schachverein eine Veranstaltung zur Erläuterung des op-tc-Prinzips, der Besonderheiten des Wettbewerbs, der Abläufe, der Bewertung organisiert.
Der Verein erhält dafür nicht nur eine Anerkennung der Mitglieder, sondern schafft außerdem die besten Voraussetzungen für eine Mitgliedererweiterung. Und wenn neben dem Vereinsgebäude darüber hinaus noch ein Park mit einer Schachfläche im Freien die Liebhaber am Wochenende zum op-tc-Spielen einlädt, dann ist das Schachleben in der Gegend gesichert.
Die Schachfanatiker
Jeden Samstag an wärmeren Tagen versammelte sich im Park an einer abgelegenen Bank eine merkwürdige Menschentraube aus vier bis fünf Personen, deren Beschäftigung das Schachspiel war. Es war eine schon ältere schäbige Parkbank, die etwas abseits von den Hauptwegen fast im Gebüsch ihr Dasein fristete. Die anderen Parkbänke wurden mit der Zeit erneuert, mit festem Pflaster drumherum. Nur die Schachbank war noch nicht drangekommen oder man hatte sie schlicht vergessen.
Gegen 10 Uhr, also nach dem Frühstück, ging die Spielerei los, und sie endete auch kurz vor dem Mittagessen. Nicht dass an der Parkbank immer die gleichen Personen mitspielten, aber der lange grauhaarige Mann war fast immer dabei. Schachspiel war für ihn am Samstag-Vormittag Tabuzeit.
Immer pünktlich um 10 Uhr schlug der Grauhaarige das betagte Schachbrett auf und ließ die Schachfiguren auf eine ausgebreitete alte Zeitung purzeln. Dann begann die Zeremonie des Aufstellens. Falls einige Mitspieler schon da waren, beobachteten sie still und ruhig das Prozedere, ohne zu stören oder zu helfen, geschweige zu drängeln.
Offenbar hatte selbst der Vorgang der Aufstellung der „Streitkräfte“, zuerst die in Weiß, dann die in Schwarz, immer angefangen mit den Bauern von links nach rechts, danach die Figuren von rechts nach links, seinen Charme, seinen magischen Moment des bevorstehenden Wettkampfes.

Selbst wenn es regnerisch war und dauerhaft nieselte, standen die Personen um die Bank herum, spannten ihre schwarzen Schirme auf und starrten auf das große alte Schachbrett mit vergilbten und dunkelbraunen Vierecken, als ob sie daraus die Weisheit des Lebens herauszulesen versuchten.
Ein etwa zehnjähriger Junge war ebenfalls oft dabei. Er wurde gleichberechtigt, sogar ein bisschen mit besonderem Respekt behandelt, denn er war wie ein Taktgeber, ein Meister im Spiel. Als er dran war, fraßen nach seinem Zug alle immer aufmerksam das Brett mit den Augen, als ob da jetzt plötzlich eine neue Seite eines spannenden Buches eröffnet wurde und die Situation sich völlig ungewöhnlich, neuzeitlich darstellte.
Das Treiben an der Bank war eigenartig, man konnte gar nicht feststellen, wer da gegen wen spielte. Die Mitwirkenden verständigten sich auch nicht untereinander – alles lief im Stillen ab! Gewöhnlich, wenn es vier Personen waren, spielten sie so, dass auf jeder Seite des Bretts immer Gegner der Partie standen und die Züge nacheinander machten – erst mit Weiß ein Spieler vor der Bank, danach antwortete mit Schwarz ein zweiter Spieler gegenüber, der ebenfalls auf der Bank saß. Den nächsten Zug mit Weiß machte ein Dritter, der hinter der Lehne stand, und dann antwortete mit Schwarz der vierte Schachfanatiker hinter der Lehne. Nun war der erste Spieler vor der Bank wieder dran. Und so ging es weiter.
Wenn eine fünfte oder sogar eine sechste Person dazukam, durfte sie an einer der Seiten den weiteren Zug spielen. Also spielten manchmal rotierend zwei gegen drei oder eben drei gegen drei. Jeder brachte seinen bestmöglichen Beitrag zum Geschehen auf dem Brett, ohne auch eine leiseste Vorstellung über das Endergebnis, das unweigerlich nahte, zu erahnen.
Zwei der Spieler standen vor der Bank oder saßen auf der Bank. Diejenigen, die hinter der Bank standen, hatten den Vorteil, dass sie sich an der Lehne abstützen konnten, um das lange Stehen zu verkraften. Allerdings auch diejenigen, die dieses Vergnügen nicht hatten, konnten sich nicht beklagen, da vor der Bank die Sonne schien und die Äste der hinter und neben der Bank stehenden Fliederbüsche nicht in den Nacken drängten.

Es wurde nie gesprochen. Nicht selten endete die Partie abrupt, da nach einem Fehler das Schicksal der Gegenseite plötzlich ganz schnell entschieden war und der König gefesselt wurde. Und dann brach eine laute, wüste Diskussion aus.
Das Brett wurde neu aufgestellt. Eine nachträgliche Analyse der eben vollendeten Partie begann. Der Zehnjährige konnte aus dem Gedächtnis die gesamte Partie nachahmen, so verwirrend sie auch war.
Und die Schwachen schämten sich für ihre Fehlzüge, lernten dabei, wie es richtig gewesen wäre und bewunderten die starken Züge der anderen. Nur der kleine Junge stand an der Seite und beobachtete aufmerksam den Hochbetrieb. Manchmal trat er für einen Moment hervor und die alten Männer wichen zurück. Und da geschah stets ein Wunder.
Der Junge bewegte langsam eine Figur oder einen Bauern und hielt inne. Nach ein paar Sekunden machte er den nächsten Zug für die Gegenseite und schaute nachdenklich auf das Brett. Keiner wagte es, ihn zu unterbrechen. So vergingen einige Minuten in völliger Stille in Verfolgung der Züge des jungen Spielers. Bis plötzlich allen klar war, was für eine heftige unausweichliche Attacke auf dem Schlachtfeld geschah.
Eines Tages kam der alte Mann nicht in den Park. Er war krank, das wusste nur sein Schüler, der zehnjährige Junge. Alle gingen zu ihm nach Hause und spielten Schach am Krankenbett, wie gewohnt gemeinsam, im rotierenden Modus. Man sah, wie froh der alte Mann war, dass die Tradition trotz der Krankheit gehalten hatte, seine Augen leuchteten vor Glück. Die Frau des Kranken sorgte für das leibliche Wohl, es gab warmen Tee und Gebäck.
Nach einigen Jahren war ich wieder mal zufällig im Park, an der „Schachschlachtstelle“. Die alte Bank war nicht mehr da. Zwischen zwei neuen prächtigen Parkbänken war an diesem Platz ein Feld mit witterungsfesten Schachfiguren errichtet worden – zu Ehren der langjährigen Wettstreiter, der Schachfanatiker. Nur der unverwüstliche Fliederstrauch hatte sich noch mehr ausgebreitet und erinnerte an die alten glorreichen Schlachtzeiten.
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